Der Münchner Autor und Verleger Christoph Fromm wurde in Bad Cannstatt geboren und wuchs in Ludwigsburg auf. Das Schreiben hat ihn schon in seiner Schulzeit begleitet. Nach seinem Abschluss mit dem Abitur begann er an der Hochschule für Film und Fernsehen in München zu studieren. 

Neben dem Studium arbeitete er als Kameraassistent und Beleuchter und seit 1983 auch erfolgreich als Drehbuchautor. Er schrieb unter anderem für Dominik Graf die Kinofilme Treffer, Die Katze und Spieler. Für sein Drehbuch Sierra erhielt er 2006 den Deutschen Drehbuchpreis und sein Dreiteiler Die Wölfe wurde 2009 mit dem International Emmy Award und 2010 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. 

2006 gründete Fromm den Primero Verlag, wo er seitdem Romane in den verschiedensten Genres verfasst und verlegt. Zu seinem erfolgreichen Historienroman Stalingrad – die Einsamkeit vor dem Sterben produziert er seit 2020 einen historischen Podcast rund um den Zweiten Weltkrieg. 2020 sorgte er mit seiner Gesellschafts- und Mediensatire Das Albtraumschiff – Odyssee eines Drehbuchautors nicht nur in der Fernsehwelt für Furore.

Wann und/oder wie hast du gemerkt, dass du Drehbuchautor werden wolltest?

Ich wurde im zarten Alter von 18 Jahren im Jugendhaus gefragt, ob ich ein Drehbuch für einen Film schreiben kann. Damals hatte ich aber vom Drehbuchschreiben eigentlich noch gar keine Ahnung. Ich habe mir dann am selben Abend einen Krimi angeschaut und dabei beschlossen: „das will ich machen!” Bühnenstücke und Kurzgeschichten hatte ich schon vorher geschrieben, aber noch niemals einen Film. Mein Drehbuch wurde tatsächlich im Jugendhaus verfilmt und vertont, war schlussendlich über 90 Minuten lang und wurde in diversen Jugendhäusern gezeigt.

Wie hieß denn der Film und wovon handelt er?

Er hieß Allein der Mond war Gut aber wir nannten ihn alle nur den Mondfilm. Er handelt von zwei jungen Männern, deren Freund angeblich an einer Überdosis gestorben ist. Weil sie vermuten, dass er ermordet wurde und kein Vertrauen in die Polizei und deren Arbeit haben, beschließen sie, den Fall selbst aufzuklären.

Das klingt ja schon ganz schön spannend und professionell. Wie alt warst du denn, als der Film herauskam?

Ich war noch 18, das war in der Zeit zwischen Abitur und Studium. Ich hab sogar selbst im Film mitgespielt und mein bester Freund hatte die andere Hauptrolle. Wir haben immer wieder, zu verschiedenen Zeitpunkten, ein paar Szenen aufgenommen und es musste alles komplett nachsynchronisiert werden, weil wir mit einem stummen Super 8 Film aufgenommen haben. Ich glaube, die Tonspur war dann am Ende das Beste am Film (lacht). Wir haben sogar einen eigenen Filmsoundtrack mit unserer damaligen Band aufgenommen.

Durch den Dreh habe ich jedenfalls angefangen, mich wirklich für den Film zu interessieren. Vorher war ich zwar in der Theater AG, hab viel gelesen und auch ein paar Theaterstücke geschrieben, aber an Drehbücher hatte ich gar nicht gedacht. Nach dem Mondfilm hab ich mir dann aber immer wieder Filme in Originalfassung im Amerikahaus angeschaut, da waren wirklich einige tolle dabei, zum Beispiel Einer flog über das Kuckucksnest, Chinatown oder The Last Picture Show. Da hab ich mich dann wirklich in Filme und vor allem ins Kino verliebt. 

Das hat mich schlussendlich auch dazu bewogen, mich an der Filmhochschule zu bewerben, obwohl ich dafür noch sehr jung war. Als ich dort anfing, hatte ich noch viel weniger Ahnung vom Film als viele andere und hab mich vielleicht gerade deshalb sehr intensiv damit beschäftigt.

Wie bist du zum Romanschreiben gekommen?

Eigentlich habe ich mit dem Schreiben von Gedichten angefangen. Mein erstes Gedicht, über Einsamkeit, habe ich mit dreizehn geschrieben. Danach habe ich immer wieder, mit kurzen Pausen, mit Gedichten weitergemacht und ab und zu Kurzgeschichten geschrieben. 

Meinen ersten Roman hab ich dann an der Filmhochschule geschrieben. Im ersten Jahr fühlte ich mich in München sehr einsam und hab jeden Abend, wenn ich allein war, eine Doppelseite Roman geschrieben. Nach ca. einem Jahr war ich fertig. Das war die Geschichte der Freundschaft zweier Jungen, von denen einer melancholisch-depressiv, der andere energetisch ist und mitten im Leben steht. Das Buch hatte eine dramatische Konklusion und endete mit dem Selbstmord des depressiven jungen Mannes. Ich kann mich noch erinnern, dass speziell meine Mutter das Buch ganz toll geschrieben fand, aber es kam tatsächlich nie zu einer Veröffentlichung. 

Von Wirtschaftsthriller über Historienroman und Groteske bis hin zur Satire hast du schon viele Genres gemeistert, aber hast du einen Favoriten?

Das hängt ganz von dem Stoff ab, mit dem ich mich gerade beschäftige. Mein letzter Roman, das Albtraumschiff, hätte zum Beispiel gar nichts anderes als eine Satire werden können. Nur in diesem Genre kommt moderne Medien- und Gesellschaftskritik richtig zur Geltung.

Was liest du zur Zeit? Welche Autoren und/oder Werke inspirieren dich?

Zur Zeit habe ich sehr viel Nietzsche gelesen und bin begeistert von vielen seiner Ideen. Ich finde es wirklich interessant, aber teilweise auch traurig zu sehen, was für großartige Gedanken sich Menschen vor 100 Jahren gemacht haben und wie flach und nichtssagend dagegen viele Dinge heutzutage behandelt und gesehen werden. Manchmal wirkt es ein bisschen so, als hätte Nietzsche damals in einer tieferen, intelligenteren Welt gelebt.

 

Was fehlt dir als Autor in der Pandemie am meisten? Was war für dich die größte Herausforderung?

Am meisten fehlt mir die zwanglose Recherche, also zum Beispiel einfach bedenkenlos durch die Straßen schlendern und die Welt beobachten zu können, Gesprächsfetzen in Cafés oder Kneipen mitzuhören und mir Notizen zu machen, wenn mich etwas inspiriert. In gewissem Maße geht das natürlich mit der Maske, zum Beispiel beim Spazieren gehen, aber es ist trotzdem nicht dasselbe. Durch die Pandemie leben wir irgendwie in einer anderen Welt, die etwas bedrohliches, dystopisches und manchmal fast schon apokalyptisches hat.

Zur Zeit träumen ja viele davon, in die “gute alte Zeit” vor Corona zurückzukehren. Wenn es eine historische Periode gäbe, in die du zurückreisen könntest, welche wäre das? Als Historienromanautor beschäftigst du dich ja auf jeden Fall gern mit der Vergangenheit.

Das stimmt, aber in die Zeit meines Historienromanes, Stalingrad (spielt an der Ostfront im zweiten Weltkrieg, A.d.R.), möchte ich sicher nicht zurückreisen.  

Am meisten reizt mich wohl die Welt der Antike, wobei es auch hier natürlich auf die Rolle ankommt, in die ich da schlüpfen würde. Ein Philosoph, ein Sklave oder ein Krieger hatten in der Antike alle ein ganz anderes Leben. Aber der Reiz dieser Zeit sind ihre philosophischen Gedanken, von denen wir in Form von Literatur, Theater und Ästhetik ja heute noch zehren. Damals gab es wirklich viele sehr begabte Menschen.

Also einen Zeitreise-Plausch mit Sokrates vielleicht?

Sokrates, Plato, Aristoteles oder Heraklit, mit einem dieser Herren wäre es sicher nicht langweilig.

Von der Vergangenheit in die Zukunft, wie sieht für dich die Zukunft des Buches aus?

Ich denke, das wird sicher weiter zweigleisig laufen, mit E-Books und Print Seite an Seite, aber ich glaube nicht, dass Printliteratur aussterben wird. Ich selbst bin ein großer Freund von gedruckten Büchern und lese viel lieber und besser altmodisch-haptisch. Ich liebe zum Beispiel auch ganz alte Bücher mit Tintenflecken, wie die geerbten Leinenausgaben von meinem Großvater. Gedruckte Bücher hatten und haben einfach ein Leben und das sieht und spürt man. Das können E-Books nicht bieten.

Und, zu guter Letzt, welche Person, historisch oder fiktional, tot oder lebendig würdest du jetzt auch gerne auf einen Kaffee treffen?

Ich würde wirklich gern einmal mit Nietzsche ein Gespräch über unsere heutige Welt, Gesellschaft und den modernen Menschen führen und hören, was er dazu zu sagen hat.

Was würdest du ihn fragen?

Mich würde interessieren, inwiefern er sich dafür verantwortlich fühlt, was die Nationalsozialisten aus seinem Werk gemacht haben und wie er damit klarkommen würde, dass seine Schwester seine eigentlich judensympathischen Schriften für den Antisemitismus und die nationalsozialistische Herrenideologie verfälscht hat. Ich denke nicht, dass er ihr das jemals verzeihen könnte.

Denkst du, er hätte das Explosionspotenzial seiner Schriften erkennen müssen?

Ich denke, er hätte durchaus erkennen müssen, dass seine Ideen sich zur Ideologie einer brutalen Diktatur umformulieren lassen und sich da auch eingestehen müssen, dass er einige falsche Schlüsse gezogen hat. Nietzsche hat zwar öfters seine eigenen Fehler erkannt und erwähnt, aber dann keine guten Alternativen aufgezeigt. Generell war er aber sehr intelligent und selbstkritisch. Ich denke kaum jemand hat weiter und intensiver in die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele geschaut als er.

Vielen Dank an Christoph Fromm für das tolle Interview (und den Kaffee, natürlich)!

Autorin: Yvonne Ramp, studiert Master AVL

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